Warum einen Hund aus dem Tierschutz?

Wir haben nun einen Hund aus dem Tierschutz und dann auch noch aus dem Ausland. Wer mich kennt weiß, dass ich dem gegenüber immer sehr kritisch, zum Teil sehr ablehnend war. Aber wer mich kennt weiß auch, dass ich eine Mensch bin, der kritisch hinterfragt und auch bereit ist seine Meinung zu überdenken. 

Tierschutz Hund Paula aus Bulgarien
Paula aus Bulgarien

Nein, Nele war nicht von langer Hand geplant und eigentlich sollte nach Kenny entweder wieder ein Labrador (vom VDH Züchter natürlich siehe den Artikel über den Welpenkauf) oder ein Hund aus dem hiesigen Tierschutz einziehen. Ich war – und bin es zum Teil immer noch – der Meinung, dass in den deutschen Tierheimen sehr viele tolle Hunde auf ein neues Zuhause warten. Aber – nun kommt mein Aber! – Hunden in deutschen Tierheimen geht es im Vergleich zu vielen Hunden in ausländischen Tierheimen richtig gut:

  • es gibt genügend qualitativ hochwertiges Futter
  • sie haben ein Dach über dem Kopf, haben es im Winter warm und sitzen im Sommer nicht ungeschützt in der prallen Sonne bei Temperaturen jenseits der 30 Grad
  • durch ehrenamtliche Helfer haben sie regelmäßig Auslauf und Beschäftigung 
  • umfassende medizinisch Betreuung
  • sie werden nicht nach einer kurzen Verweildauer (meist nur wenige Tage) eingeschläfert

Im Gegensatz zu den Hunden in vielen Tierheimen, Auffang- oder Tötungsstationen im Ausland. Gerade in östlichen und südlichen Ländern sind die Bedingungen der Hunde mehr als schlecht. Tierschutz hat einen geringen Stellenwert und der Hund (Tiere an sich) werden oft nicht als Mitgeschöpfe angesehen.

Nach wie vor bin ich allerdings der Meinung, dass das unkontrollierte verbringen der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Neben der Rettung der bereits vorhandenen Hunde sollte die Aufklärung der Menschen vor Ort und Kastration der Straßenhunde im Vordergrund stehen. 

Nur, wenn ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet und das unkontrollierte Vermehren der Straßenhunde eingedämmt wird, kann sich auf lange Sicht hin etwas ändern.  Leider gibt es – wie überall – nur eine handvoll Organisationen, die den Tierschutz auch so betreiben. Statt dessen werden unkontrolliert vor allem kleine und niedliche Hunde nach Deutschland gekarrt und auf Parkplätzen ihren neuen Besitzern übergeben. Oft unzureichend medizinisch versorgt,  mit gefälschten Impfpässen versehen und oft krank. Der Markt für Auslandshunde läuft und bietet schwarzen Schafen die Möglichkeit, sich damit eine goldene Nase zu verdienen. 

Richtiger Tierachutz kostet und bietet keinen Raum für Verdienst meiner Meinung nach. Wer sich entscheidet einem Hund aus denn Ausland ein Zuhause zu bieten, sollte genau hinschauen und sich im Vorfeld über Vieles im Klaren sein:

  • Je nach Alter des Hundes hat er eine kurze oder auch längere Zeit auf der Straße verbracht. Hat gelernt für sich allein zu sorgen und eventuell sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht
  • Welpen sind oft viel zu früh von der  Mutter getrennt worden, unzureichend bis gar nicht sozialisiert, unterentwickelt und/oder krank
  • gerade größere Hunde aus südlichen Ländern haben unter Umständen einen großen Anteil Herdenschutzhund in ihren Ahnen mit all ihren Vor- aber auch Nachteilen. 
  • Über die Hunde ist wenig bis gar nichts bekannt – Alter, beteiligte Rassen etc. sind oft nur geraten und anhand des Aussehens lassen sich selten Rückschlüsse in diese Richtung schließen.
Wilma aus Rumänien
Tierschutz Hund Wilma aus Rumänien

Gerade unerfahrene Hundehalter und Familien mit kleineren Kindern sollten es sich ganz genau überlegen, ob sie sich das zutrauen. Eine nicht unwesentliche Anzahl an Auslansdshunden landen dann letztendlich doch wieder hier im Tierheim, weil die Menschen nicht nachgedacht haben, dass der süße scheue Hund sich zu einem doch nicht so süßen Problemhund entwickelt. Die Bereitschaft unter Umständen sehr viel Zeit und Arbeit und viel viel Geduld zu investieren muss vorhanden sein.

Im Zweifelsfall ist vielleicht doch ein Hund von einem seriösen Züchter die bessere Wahl. Er ist gut sozialisiert, die Rasseeigenschaften sind bekannt und der Züchter ist bei Problemen bereit, helfend zur Seite zu stehen.  

Solltest du dir aber sicher sein und dir über mögliche Risiken bewusst und bereit sein, mit deinem Hund diesen oft schwierigen Weg zu gehen, dann bitte (BITTE!) suche dir eine seriöse Organisation.

Eine Anschaffung aus Mitleid ist auch hier ein denkbar schlechter Ratgeber. Behalte einen kühlen Kopf und wäge die Vor- und Nachteile gründlich ab. 

Woran erkennst du eine seriöse Tierschutzorganisation?

  • es wird nicht über die Mitleidsschiene versucht, die Hunde auf Biegen und Brechen zu vermitteln. Aussagen wie “nur noch zwei Tage bis zum einschläfern” sind nicht seriös und erzeugen Druck. 
  • Die Hunde werden nicht auf Parkplätzen in einer Nacht und Nebel Aktion übergeben. 
  • Viele gute Organisation arbeiten mit Pflegestellen, das lässt dann schon einige Aussagen über Wesen und Verhalten des Hundes zu
  • Es wird geprüft ob der zukünftige Besitzer geeignet ist. Wie die Überprüfung ausfällt ist unterschiedlich. Manche machen Vor- und Nachkontrollen, manche nicht. Auf jeden Fall sollte vorher ein intensives Gespräch stattfinden und ein Kennenlernen des Hundes möglich sein, ohne Druck auf den Interessenten aufzubauen. 
  • Es wird ein Vertrag gemacht und im Ernstfall ist die Organisation bereit den Hund zurückzunehmen (die Übernahmegebühr wird dabei nicht erstattet und das ist auch okay so) Es wird klar, dass vermieden werden soll, das der Hund unkontrolliert den Besitzer wechselt und vielleicht letztendlich doch hier im Tierheim landet.

  Lass nie deinen Gesunden Menschenverstand zu Hause. Wäge ab, ob du diesem Hund gerecht werden kannst. Diese Hunde haben eine faire Chance verdient. Sie haben oft schon viel Leid erlebt und sollten dann ein Zuhause finden, welches mit Sachberstand und Verständnis auf sie eingeht. 

Habt ihr einen Hund aus dem Tierschutz? Wir sind eure Erfahrungen damit und auf was sollten Menschen, die sich überlegen einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, achten? 

Die Bilder in diesem Beitrag zeigen Hunde aus dem Auslandstierschutz bei ihren neuen Familien. Das Copyright der Bilder liegt bei den jeweiligen Fotografen. Ganz lieben Dank, für das Bereitstellen der Fotos. 

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Autor: Nicole

Mediengestalterin und ambitionierte Rennrad Fahrerin. Fotografin und Frauchen von Mischlingshündin Nele. Führt den Blog Schwuggedung seit 2011

Ein Gedanke zu „Warum einen Hund aus dem Tierschutz?“

  1. Ganz toller Artikel. Ich hohe das er oft gelesen wird und dazu beiträgt dass noch mehr Menschen verstehen ,warum den Tieren in bestimmten Länder geholfen werden soll.Danke und lieben Gruß

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